Stichting Oktober 44
Juryraport

Die Jury des 19.Unabhängigen Film Fest Osnabrück vergibt in der Sektion „Vorsicht Frieden“ den Preis an Tom Verheul für seinen Dokumentarfilm „An der Schwelle des großen Vergessens“

Jurybegründung (2):

Tom Verheul hat dem schon vielfältig behandelten, aber noch immer nicht abgeschlossenen Thema der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen und der Erinnerung individueller Beteiligung in seinem Dokumentarfilm einen wesentlichen neuen Aspekt hinzugefügt. Er zeigt die langwierige Suche nach den Tätern im Gang durch die Archive und juristischen Institutionen, die nur durch Zufall zum Erfolg führt. Er lässt den Zuschauer teilhaben an dem mühsamen Erinnern und dem Eingeständnis des Täters, an den Vergeltungsmaßnahmen an den Bewohnern von Putten in den Niederlanden beteiligt gewesen zu sein. Die besondere Qualität des Films liegt zum einen in der Geduld der Kamera, mit der sie die Reaktionen der Beteiligten aufzeichnet, die den Zuschauer unmittelbar berühren und auch von ihm eine Stellungnahme einfordern – und zum anderen in den ungeduldig-drängenden Fragen der jungen Frau vor der Kamera, die Tom Verheul bei seiner Suche unterstützt. In der beeindruckenden und bewegenden Schlüsselszene gelingt es dem Filmemacher, eine Identität seines investigativen Interesses mit dem Willen der Frau des Täters herzustellen, nämlich die Wahrheit über die Taten ihres Mannes zu erfahren. „Auf der Schwelle des großen Vergessens“ ist eine spannende Recherche und ein ungewöhnlicher Beitrag aus niederländischer Sicht auf die deutsche Problematik des Nichteingestehens von Schuld.

Jury:
Barbara Fischer-Rittmeyer (Filmfestival Münster)
Alina Rahn (Filmfesrtival Globale, Berlin)
Thomas Schneider (Erich-Maria-Remarque Friedenszentrum)
 



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